Rekordnationalspieler Ralf Gandlau im Interview

Er ist bei den Gegnern gefürchtet, und außerhalb des Beckens bekannt für seine Gradlinigkeit und Direktheit. Ralf Gandlau behauptet seit über 20 Jahren seinen Platz als bester deutscher Unterwasserrugbyspieler und Kapitän der deutschen Nationalmannschaft.

Die Erfolgsserie des 40-jährigen Polizisten ist lang: 10-maliger Deutscher Meister mit Bottrop und Duisburg, über 60 Länderspiele, bei 4 WM-Teilnahmen und bei 5 Europameisterschaften im deutschen Nationalteam, Europameister 2010. Jetzt will er seine Karriere mit dem WM-Titel krönen und danach kürzer treten. Doch das Schicksal scheint ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen: Der wichtigste Spieler des deutschen Team droht auszufallen; Der Grund: Ein Mittelfußbruch. Das wäre der nächste Schicksals­schlag nach dem Dopingurteil gegen ihn vor der WM 2007 in Bari, an der er auch nicht teilnehmen konnte. Ralf Gandlau über seine Karriere, seine Dopingsperre vor 4 Jahren, und ob er dieses Jahr bei der WM in Helsinki teilnehmen kann.


Mannschaftsführer Ralf Gandlau

Ralf, wann hast Du angefangen, Unterwasserrugby zu spielen?

Ich tauche seit 1983. Angefangen hat es damit, dass zu der Zeit beim DUC Bottrop UWR zu Trainingszwecken gespielt wurde. UWR macht mehr Spaß als Bahnen im Bad zu schwimmen. 1984, da war ich 13, habe ich dann meine erste Saison für Bottrop gespielt. Seit `88 war ich auch in der Nationalmannschaft dabei. Ich wollte dann auch in der 1. Bundesliga spielen, Bottrop war damals noch nicht soweit. Deswegen bin ich nach Duisburg gegangen. 1992/93 habe ich dann meine erste Saison in Duisburg gespielt. Das war damals ne tolle Mannschaft. Wir waren 5 mal deutscher Meister und haben alle nationalen und internationalen Turniere gewonnen – außer Göteborg, das habe ich noch nie gewonnen, das steht noch bei mir auf der Liste.

Du hast in Deiner Zeit in Duisburg ja auch eine erste Begegnung mit dem strengen Regelwerk des VDST gemacht?

Ja, das war bei der Deutschen Meisterschaft 2001. Da wurde unsere komplette Mannschaft disqualifiziert. Wir hatten alle Vorrundenspiele gewonnen, waren auf dem besten Weg zum Titel, dann ist einem der Schiris aufgefallen, das in einem Spielerpass herum geschmiert wurde bei der ärztlichen Untersuchung. Die anderen Mannschaften haben das mit bekommen. Das Team aus Pößneck hat dann protestiert. Am Ende wurde die ganze Mannschaft disqualifiziert.

Warum bist Du dann 2002 wieder zurück nach Bottrop gegangen?

Na ja, ich bin nach Bottrop gegangen, weil ich alles gewonnen habe mit Duisburg. Das hat mir dann gereicht. Ich kenn die Bottroper. Da komm ich her, da wollte ich auch wieder hin zurück. Ich weiß, Duisburg hat nicht so nen tollen Ruf, weil sie hart spielen, weil sie immer Leute aus ganz Deutschland zusammen holen, um ein Team zu formen, aber es war eine tolle Zeit. Jetzt übertreiben sie allerdings ein bisschen mit den Spielern aus Spanien und Italien im Team. Mit Bottrop habe ich dann 2005 die DM gewonnen.

Ralf Gandlau gilt im Angriff als unbezwingbar. Selbst drei Verteidiger scheitern alleine an ihm, wenn er sich durchwühlt und den Korb macht. Das hat dazu geführt, dass gegnerische Mannschaften, die gegen Bottrop spielen, immer ein oder zwei Spieler abstellen, die nur auf ihn aufpassen. Umgekehrt ist Bottrop so auf ihn eingestellt, dass sein Fehlen sofort auffällt. Ein großer Einschnitt in seiner Zeit als Spieler war eine Dopingsperre im zweiten Halbjahr 2007. Er spielte wieder mit Bottrop auf der Deutschen Meisterschaft in Mülheim. Vorher hatte er sich im Urlaub einen Hexenschuss eingefangen. Nach dem ersten Spiel auf der DM eine Woche später kamen die Schmerzen wieder.

Ich war schon zur Dopingprobe ausgelost, konnte aber nicht pinkeln. Danach bin ich zu einem Arzt aus unserer Mannschaft und habe mir Diclophenac gegen die Rückenschmerzen spritzen lassen. Was ich nicht wusste: In der Spritze war auch Cortison, und Cortison steht auf der Dopingliste. Danach habe ich dann die Probe abgegeben. An dem Tag habe ich noch ein oder zwei Spiele mitgespielt, weil das mit den Schmerzen nicht besser wurde, am nächsten Tag auch noch eins, dann war es für mich vorbei mit der DM, ich konnte nicht mehr spielen.

Wann hast Du dann von dem Dopingergebnis erfahren?

Eine Woche später gab es dann einen Anruf. Das Ergebnis war positiv. Ich habe dann eine Stellungnahme abgegeben und bin dann von einer Kommission für ein Jahr für alle Liga- und internationalen Spiele gesperrt worden. Ich bin bis zum internationalen Sportgerichtshof (Court of Arbitration for Sport – CAS) in Lausanne gegangen und habe gegen die Entscheidung geklagt. Das Ergebnis war, dass die Sperre um ein halbes Jahr verkürzt wurde. Ich wurde trotzdem für schuldig befunden. Deswegen konnte ich nicht an der WM in Bari teilnehmen. Das sollte eigentlich mein Karriereabschluss bei der Nationalmannschaft werden.

Kannst Du die Entscheidung nachvollziehen, immerhin bist du ja positiv getestet worden.

Überhaupt nicht. Der Arzt und ich, wir wussten noch nicht einmal, dass der Zusatzstoff nicht zugelassen war. Es gab auch überhaupt keine Infoveranstaltung für uns, was erlaubt ist und was nicht. Wir hatten zwar eine Übersetzung von der NADA (Anm. d. Red.: Nationale Anti Doping Agentur), die war aber fehlerhaft. Was mich aber am meisten stört ist, dass ich als als Lügner und Doper dastehe. Mir wird unterstellt, dass ich von dem Cortison wusste. Ich habe bis heute einen ziemlichen Hals auf die damaligen Verantwortlichen beim VDST, die mich verurteilt haben und bin deswegen nach dem Gewinn der Europameisterschaft auch nicht zur Ehrung des Verbands gegangen obwohl das wirklich der größte Erfolg meiner Karriere war.

Die WM in Bari sollte eigentlich deine letzte WM sein. Warum bist Du jetzt noch einmal dabei?

Ich habe mir gesagt dass ich so nicht aufhören will, mit einer Sperre, deswegen habe ich mich entschieden, noch eine WM dranzuhängen. Diese WM sollte meine letzte sein. Ja, und jetzt breche ich mir die Beine. Ich bin bei einem Einsatz irgendwo hoch geklettert, ausgerutscht, das wars. Wenn ich jetzt nicht teilnehme wär das ein blödes Ende. Ich kann nur hoffen, dass ich bis zur WM wieder fit bin.

(Anm. d. Red.: Wir haben auch die damaligen Verantwortlichen beim VDST um eine Stellungnahme gebeten, auf die Darstellung der Sichtweise der Dopingkomisssion wird von den ehemaligen Angehörigen aber verzichtet.)

Ein Gedanke zu “Rekordnationalspieler Ralf Gandlau im Interview

  1. Super, endlich hört man von dem Betroffenen selbst die Geschichte und den Hintergrund. Spieler, die so im Focus stehen wie Ralf sollten öfters zu Wort kommen. Ich wünsche Ralf gute Besserung und ich glaube, dass er auch noch die nächste EM oder WM für Deutschland spielen wird.

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